Eine musikalische Woge der Begeisterung
Bei der „Nacht der guten Laune“ mit bekannten Künstlern der Volksmusik kommen im Festzelt in Nordweil mehr als 1000 Besucher auf ihre Kosten.

KENZINGEN-NORDWEIL. So viele bekannte Künstler der Volksmusik hatte der Kenzinger Ortsteil Nordweil noch nicht erlebt: Die „Nacht der guten Laune“, die der Musikverein Nordweil aus Anlass seines 80-jährigen Bestehens am Samstag veranstaltet hatte, wurde zu einem Riesenerfolg für den Veranstalter und zu einem besonderen Erlebnis für die mehr als 1000 Besucher, die ins Festzelt gekommen waren.

Hansy Vogt präsentierte hochkarätige Unterhaltung mit Mara Kayser, Reiner Kirsten, den „Feldbergern“, den „Grashüpfern“ und „Antonia“.

Es gab Zeiten, in denen hatte der gelernte Bäcker und Konditor Hansy Vogt kleinere Brötchen gebacken. Doch diese Phase seines Lebens gehört längst der Vergangenheit an. In seiner Vita weist er mit der Kultband „Feldberger“ inzwischen mehrere goldene und platine Platten auf.

Als „Frau Wäber“ verkörpert er die derzeit prominenteste nörgelnde TV-Comedy-Lady. Die hatte das Multi-Talent im vollbesetzten Nordweiler Festzelt zwar nicht im Gepäck, dafür aber einen bauchredenden Osterhasen als Überraschungsgast, der mit spitzer Ironie („Die Nordweiler sind ein humorvolles Bergvolk“) dem adretten Moderator im Dialog in jeder Hinsicht tierisch Paroli bot. Mit verschiedenen Trachten warf sich der Stimmungsmacher und Verwandlungskünstler in Schale, um die Stars im Steinbruch anzukündigen.

Der Auftritt der „Feldberger“ war selbstverständlich. Das unsichtbare Band der Sympathie spannte sich schon nach den ersten Klängen. Akkordeonist Chris Laubis lief zu Höchstform auf und löste eine musikalische Woge der Begeisterung aus, als er einer Dame aus dem Publikum anbot, auf seinem steirischen Instrument Platz zu nehmen.

Auch Mara Kayser zog das Publikum in ihren Bann. Ihre samtweiche Stimme schenkt den Fans viele glückliche Momente. Ihre gesangliches Repertoire reichte von fröhlich-optimistischen Stimmungshits bis zu einfühlsamen Liebesliedern. Dann kam Kurt, einen „Gast“ aus den hinteren Reihen, mit dem die Saarländerin eine unvergessene Premiere feierte.

Weitere musikalische Besonderheiten im Festzelt waren vorprogrammiert, denn die „Grashüpfer“ standen bereit zum Sprung. „Heute sind wir alle super drauf“ – dieser Betonung hätte es nicht bedurft, doch das klatschende Publikum dankte es mit einer nicht enden wollenden Schunkeleinlage.

Mit einem akzentfreien Dialekt „Gude Obe Nordwiil“ kündigte sich Reiner Kirsten an. Der Entertainer aus dem Glottertal plauderte aus dem Nähkästchen, als er vom Schwarzwald und seiner Familie erzählte. Seine Bühnenerfahrung begann mit der Schwarzwaldfamilie Jäckle. Der Sänger bot einen Jodelkurs für Jedermann an. Mit Erfolg: Aus über 1000 Kehlen erklang der Refrain „Jolhodiüü“ fast perfekt.

Bei einem süffigen Zwischenspiel prostete Hansy Vogt drei gestandenen Nordweiler zu: Franz Weichner, Elmar Schätzle und Franz Pfeffer. Mehr noch: Während letzterer einen warmen Händedruck und Franz Weichner ein abgestandenes Bühnenbier überreicht bekam, sahnte der erste Vorsitzende des Musikvereins groß ab: Elmar Schätzle durfte sich ein „Schätzle“ aus den Zuhörern aussuchen. Ergebnis: Sie küssten und umarmten sich einen ganzen Feldberger-Song lang.

Bei den Songs von Antonia, der 25-jährigen Linzerin, war die Bühne dicht umlagert. Auffallend vor allem das jugendliche Publikum, das die German-Award-Preisträgerin sofort in ihre Bühnenshow mit einbezog. In den hinteren Reihen toben die Anhänger auf den Tischen, während Antonia mit den Kids eine Polonaise veranstaltete.

Man merkte ihr das Handikap ihrer jüngst erlittenen Verletzung nicht an; noch vor Tagen konnte sie sich nur mit Krücken fortbewegen. Doch Antonia war genesen und verzückte die Massen, indem sie gesanglich nachfragte: „Lebt denn der alte Holzmichel noch?“– Ja der lebt noch, hallte es aus dem weiten Rund bei bester Stimmung. Ihre Single „Wenn der Hafer sticht“ war lange Zeit in den Charts. Es ist die deutsche Originalversion des Sommerhits von 2003 „Dragostea din tel“, der in Europa einen nie geahnten Siegeszug startete.

Die Hände des Publikums reckten sich in die Höhe mit auflodernden Feuerzeugen. Die Ankündigung war zur Gewissheit geworden. Es war die „Nacht der guten Laune“, die noch lange anhielt.
(Badische Zeitung, Werner Schnabl, 1. August 2005)

 
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