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FREIAMT. Martha Wäber, die bucklige Landfrau im mittleren Alter mit leicht überhöhter Dosis an Hormontabletten, ist der Medienexportartikel Nr. 1 des Schwarzwalds.
Beim Auftritt im Kurhaus litt sie vorübergehend an leichter Frühjahrsdepression. Zu Recht. Draußen herrschte ein Bilderbuch-Frühlingstag, drinnen
Studioathmosphäre mit heißer, stickiger Luft und einer übersichtlichen
Anzahl ihrer Anhänger.
Aber wie es sich für starke Frauen gehört, sie bekam sich rasch in den Griff und lästerte unverdrossen über moderne Techniken und die vielen Fremdworte in der Umgangssprache. Die Kultfigur, die Hansy Vogt verkörpert, ist keineswegs so schlicht, wie bei oberflächlicher Betrachtung befürchtet. Sie verkündet Lebensweisheiten und Schwarzwälder Schlitzohrigkeit. Wenn Frau Wäber von ihrem Leben und unerfüllten Wünschen plaudert, geht es manchmal recht deftig zu. Auch ist ein "Bläh-Boy" nicht jeder Fraus Sache. Ehrlich: Niemand sauigelt so unverkrampft wie die liebenswert-schrullige Kultfigur von den Schwarzwaldhöhen.
Den musikalischen Auftakt übernahmen die "Grashüpfer" aus dem Glottertal. Bernd Weißhaar und Jürgen Schindler setzten auf Altbewährtes, die "Köhler Liesel". In Sekundenschnelle klatschten die Besucher mit, und bei der "Schwarzwaldmarie" und einigen gelungenen Eigeninterpretationen war Volksfeststimmung angesagt. Heike Schäfer war angekündigt und verhindert. Ihre Kollegin Liana sang deutsche Schlager- und Pop-Musik. Eine klassisch ausgebildete, prickelnd klare Stimme und überwältigende Sinnlichkeit auf der Bühne verheißen gute Zukunft in der volkstümlichen Sparte. Oldies wie "Schuld war nur der Bossa Nova" gingen ans Herz, beim Partyhit "Du hast mich tausend Mal belogen" war Mitsingen fast Pflicht. Als Frau Wäbers Chauffeur, Hansy Vogt, als Moderator im glitzernden Regenbogenanzug erschien, war das Entzücken über sein neues Textil berauschend. Oliver Thomas aus dem Norschwarzwald, der 195 Zentimeter große, sympathische Hüne, zählt zur neuen Generation der deutschsprachigen Schlagersänger. "Du gehst ab wie eine Rakete" war nicht zu viel versprochen. Musikalischer Höhepunkt für viele war der Auftritt von Daniela dé Santos. Die schwarzhaarige Schönheit aus Niederbayern mit spanischen Wurzeln vollführte feurige Tänze zu südländischen Rhythmen. Als sie einer Panflöte aus 5000 Kristallelementen zarte Töne entlockte, wurde der Kursaal ein Meditationszentrum. Ein leicht irischer Einschlag, ein Hauch Esoterik, Ethno-Elemente und die Leichtigkeit schöner Melodien zeichnen diesen Sound aus. Bei Stücken wie "El Condor pasa" oder DJ Ötzis "Ein Stern" bleibt nur eine Wertung: zauberhaft. Später ließen es die Feldberger mit Bandleader Hansy Vogt krachen. Ein Potpourri der guten Laune ist ihr Gütezeichen. Sie ließen den fast vierstündigen musikalischen Reigen fetzig ausklingen. Viele Zugaben sorgten für Überstunden.
Badische Zeitung vom Dienstag, 13. Mai 2008 - Von unserem Mitarbeiter Dieter Erggelet
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